VfB Stuttgart: Der beschwerliche Weg ins DFB-Pokalfinale
Der VfB Stuttgart hat in einer spannenden Saison den DFB-Pokal erreicht. Ein Blick auf die Herausforderungen und Erfolge, die diesen Weg prägten.
In der ruhmreichen Geschichte des VfB Stuttgart gibt es viele Kapitel, aber die Saison 2022/23 wird wohl als eine der packendsten in die Annalen eingehen. Der Weg ins DFB-Pokalfinale war gespickt mit Herausforderungen, aber auch mit Momenten, die den Anhängern in Erinnerung bleiben werden. Manchmal geschieht das Unvorhersehbare – so wie der Aufstieg der Schwaben aus einem tiefen Tal in die Höhen des deutschen Fußballs.
Der Beginn der Saison war eher unruhig. Nach einem durchwachsenen Start in der Bundesliga - der VfB fand sich schnell im Abstiegskampf wieder - schien der Fokus auf dem Pokalwettbewerb der einzige Lichtblick zu sein. Trainer Bruno Labbadia, der in der vergangenen Saison gekommen war, stand unter Druck. Jeder Punkt in der Liga wurde kritisch beäugt, während gleichzeitig die ersten Erstrunden-Matches im Pokal anstanden.
Die erste Hürde war das Heimspiel gegen einen unterklassigen Verein – ein Pflichtsieg, könnte man meinen. Doch wie so oft, hatte der Pokal seine eigenen Gesetze. Ein von Verletzungen und Formschwankungen geprägtes Team tat sich schwer, sodass die Fans auf ein wunderliches Spiel hofften, welches die Saison wenden könnte. Nach einem mühsamen 2:1-Sieg konnten sie immerhin durchatmen, aber der Eindruck von Unsicherheit blieb. Es war klar, dass der VfB in dieser Saison auf der Klinge balanciert.
Den Aufwind nutzen
Der nächste Gegner war ein etabliertes Team aus der zweiten Bundesliga. Doch an diesem Tag schien der VfB eine andere Mannschaft zu sein. Durch das Zusammenfinden der Spieler, in einer Art von kollektiver Wut, gewannen sie das Spiel mit 4:0 und zeigten eine bemerkenswerte Leistung. Vor allem die junge Offensive um Serhou Guirassy übertraf alle Erwartungen. Die Fans begannen, leise von einer möglichen Pokalüberraschung zu träumen, während sie in den folgenden Wochen auch in der Liga einen Aufwärtstrend erlebten.
Je weiter man im Wettbewerb vorankam, desto klarer wurde: Der DFB-Pokal wurde für die Schwaben zu einer Art Befreiungsschlag. Die Spiele gegen namhafte Gegner, zu denen auch der FC Bayern gehörte, sorgten für das nötige Selbstbewusstsein. Das Halbfinale war der wohl spannendste Moment der Saison. Ein ausverkauftes Stadion, ein hitziges Spiel und schließlich ein verdienter 3:2-Sieg gegen die Münchner. Ein fast schon surrealer Moment – für genau 90 Minuten war der VfB Stuttgart die beste Mannschaft der Welt. Ein emotionaler Höhepunkt, der in die Herzen der Fans brannte.
Aber wie oft im Fußball, war der Weg zur Krönung nicht ohne Stolpersteine. Auch wenn der VfB seine Form gefunden hatte, schlichen sich in der Liga weiterhin unerklärliche Leistungen ein. So kam es, dass man am letzten Spieltag der Saison erneut zum Überleben fighten musste. Ein Sieg wäre notwendig gewesen – und dieser wurde errungen. Ein weiterer Schuss Selbstvertrauen vor dem großen Finale.
Das DFB-Pokalfinale trat an die Stelle eines langen Hungerstreiks nach den großen Erfolgen in den frühen 2000er Jahren. Die Fans, die den VfB in Höhen und Tiefen durchlebt hatten, wussten, dass sich jede Mühe lohnen könnte. Es war nicht nur ein weiteres Spiel, es war eine Rückkehr zu den Wurzeln und zu einer verlorenen Identität.
Der große Tag
Am Tag des Finales war die Stimmung elektrisierend. In Berlin angekommen, strömten die Anhänger in Scharen ins Olympiastadion, die Farben der Schwaben erhellten die Straßen. Eine Stunde vor Anpfiff war der Andrang der Menschen zu spüren – eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität lag in der Luft. Die Mannschaft präsentierte sich gewohnt fokussiert. Bruno Labbadia, der von der Presse als Magier gefeiert wurde, war kaum wiederzuerkennen.
Das Spiel begann und sofort war die Intensität spürbar. Der VfB nahm früh das Zepter in die Hand, und die erste Viertelstunde war geprägt von aggressivem Pressing und schnellen Kombinationen. Und dann geschah das, was jeder erwartet hatte: Ein fulminanter Schuss von Guirassy landete im Netz. Der Jubel der Fans schallte durch das Stadion und der VfB war auf der Siegerstraße. Doch die Geschichte des Spiels ist oft eine der Wendungen.
Im Laufe der ersten Halbzeit kam der Gegner besser ins Spiel. Ein Freistoß, ein Glücksspiel in der gegnerischen Hälfte, und plötzlich war der Ausgleich da. Nun lag der Druck auf den Stuttgartern. Der Rest des Spiels entwickelte sich zu einem Spannungsfeld, in dem jeder Fehler bestraft werden konnte. Schiedsrichterentscheidungen wurden hitzig diskutiert. Die Minuten zogen sich wie Kaugummi, und die Frage stellte sich: Würde das Glück auf der Seite der Schwaben stehen?
In der zweiten Halbzeit zogen sich die Ereignisse weiter. Es gab weitere Chancen, einige Glanzparaden der Torhüter, aber kein weiteres Tor. Das Spiel drohte, in eine Verlängerung zu gehen. Doch in der 88. Minute, als die Spannung ihren Höhepunkt erreicht hatte, trat ein Spieler auf, der bis dahin unter dem Radar geflogen war: Der junge Midfielder Lukas Höler. Mit einem genialen Pass über mehrere Stationen schickte er Guirassy erneut auf die Reise. Und der verwandelte, als würde er nie etwas anderes machen. An diesem Tag blühten seine Fähigkeiten auf, der VfB war wieder in Führung.
Der Schlusspfiff kam schließlich wie eine Erlösung. Die Spieler fielen sich um den Hals. Der VfB Stuttgart war DFB-Pokalsieger. Ein Triumph, der nicht nur in die Geschichtsbücher eingehen würde, sondern auch als Katalysator für eine neue Ära im Verein betrachtet werden könnte. Der Weg dorthin war nicht einfach. Aber vielleicht ist das gerade der Grund, warum dieser Sieg so viel bedeutete. Ein Kräftemessen, das die Fans, die Spieler, die Trainer und die gesamte Stadt nachhaltig prägen wird.
Die Feierlichkeiten am Abend waren ausgelassen. Rote und weiße Fahnen wehten, Gesänge hallten durch die Straßen, während die Stadt sich in ein Tollhaus verwandelte. Am Ende war es nicht nur ein Pokalsieg, sondern auch der Beweis, dass Widerstandsfähigkeit und Teamgeist die Grundpfeiler eines jeden großartigen Teams sind. Der VfB Stuttgart hat den DFB-Pokal gewonnen, und der Weg dorthin wird noch lange in Erinnerung bleiben.